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Die Herren des Rings

Die Renn und Teststrecke Lausitzring nimmt Gestalt an

"Nö, die Herren des Rings sind wir nicht. Höchstens die Diener." Aber das sei ja schließlich auch was. Der Bauarbeiter grinst über das ganze Gesicht, während er in seinen Tieflader klettert.
Derweil ist auf der künftigen Renn und Teststrecke Lausitzring Präzisionsarbeit gefragt. Millimeter um Millimeter schiebt sich eine Spezialmaschine auf dem Test-Oval voran:
Die Kurven verlangen einen Belag aus einem Guss ...
Der Lausitzring zwischen Hörlitz, Schipkau, Meuro und Klettwitz wächst jeden Tag ein Stückchen. „Wir liegen voll im Zeitplan“, versichert Hans-Jörg Fischer, Chef der Lausitzring Betriebs- und Management GmbH, jedem, der ihn fragt. Er hat wie viele Motorsportenthusiasten seinen größten Traum nicht aufgegeben:
Die Formel-1. Die Lästerei so manches Zeitgenossen, dass der Lausitzring zwar die Königsklasse, die Königsklasse aber nicht den Lausitzring will, macht ihn nicht an. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gibt Fischer zu:
Vor dem. Jahr 2005 sei die Formel 1 auf dem Lausitzring – schon wegen der bestehenden Verträge - illusorisch. Mittelfristig aber¬ komme an der modernsten Rennstrecke niemand vorbei.
Ende November will Fischer den Veranstaltungskalender für das Jahr 2000 präsentieren. Er ist sicher, dass er dann zumindest ein international bedeutsames Rennen präsentieren kann.
Am wahrscheinlichsten ist wohl die ChmpCar Serie, die amerikanische Variante der Formel 1. In jedem Fall werde der Ring im Spätsommer 2000 an den Start gehen. Zwei, drei Jahre später soll er Zuwachs erhalten. Geplant sind eine Motocross Strecke, ein Enduroland und eine Kart Bahn, zählt Andreas Gröbe vom Förderverein Lausitzring e.V. auf. Auch der Freizeitpark sei noch nicht abgeschrieben.
Ohnehin sei das Dekra Test- und Technologiezentum wichtiger für die Auslastung des Rings, sagt Gröbe. Denn damit würde die Anziehungskraft weiter erhöht. Leben müsse der Ring in jedem Fall auch unabhängig von Rennveranstaltungen, weiß Geschäftsführer Fischer. Unter der Woche könne er für Testfahrten von Teams oder der Industrie, Rennfahrer oder normale Fahrerlehrgänge genutzt werden.
Denkbar seien darüber hinaus Produktpräsentationen oder Fahrertrainings. Damit könne schon ein „gewisser Auslastungsgrad“ erreicht werden. Bis dahin sind vor allem Bauarbeiter und Zulieferer noch die heimlichen Herren des Rings. Die Formbauer der B + F Beton und Fertigteilgesellschaft Lauchhammer beispielsweise sorgen für den rechten Sitz. Für das Unternehmen eine Premiere. Bisher baute es überwiegend Teile für den Tiefbau; die Sitzgruppe am Lausitzring ist eines der ersten
überirdische Großprojekte.